Heilpraktikerin Lydia Braun

Hinweisgebende, immunchemische Analyse-Verfahren (Immunoassays)

Drogen-Schnelltests, Teststreifen und Vortests in Laboratorien basieren i.d.R. auf immunchemischen Analyseverfahren. Immunchemische Analyseverfahren liefern kostengünstig und schnell Ergebnisse, sind aber aufgrund von Kreuzreaktivitäten häufig nicht sehr spezifisch.

Einerseits ist dies ein positiver Aspekt, weil durch das immunchemische Verfahren auf ganze Substanz-Klassen getestet werden kann; ein positiver Befund lenkt so die Aufmerksamkeit bei der identifizierenden Analyse auf die gefundene Substanz-Klasse und ermöglicht die effiziente Suche nach Suchtstoffen. Immunoassays eignen sich deshalb besonders als hinweisgebende Vortests im Rahmen des kompletten Analysen-Ganges.

Ein negativer Aspekt ergibt sich andererseits daraus, dass sich der positive Befund ggf. summarisch über mehrere Stoffe einer Substanzklasse erstreckt und die quantitative Bestimmung einzelner konkreter Substanzen nicht immer möglich ist. Besonders interpretationsbedürftig sind erfahrungsgemäß Befunde über Amphetamine und Benzodiazepine.

Liefert ein immunchemisches Analyse-Verfahren einen positiven Befund, so ist dies deshalb grundsätzlich immer durch ein beweisendes, identifizierendes Verfahren zu bestätigen. Ein isolierter immunchemischer Befund ist nicht gerichtsverwertbar.

Werden Immunoassays als Vortests für identifizierende Verfahren verwendet, so ist durch das Labor sicherzustellen, dass die Entscheidungsgrenzen so empfindlich gewählt (und erreicht) werden, dass falsch-negative Befunde nicht auftreten, d.h. die immunchemischen Verfahren müssen mindestens so sensitiv sein, wie die identifizierenden Verfahren.

Messprinzip

Der Nachweis von Drogen mit einem Immunoassay beruht im Wesentlichen darauf, dass die Drogen auf molekularer Ebene mit speziell auf sie zugeschnittenen Antikörpern reagieren. Die Drogen-Moleküle werden bei diesem Verfahren als Antigene bezeichnet und bilden mit den Antikörpern, die mit einem „signalgebenden“ Teil ausgestattet sind, einen festen Komplex. Durch den signalgebenden Teil, z.B. einem Farbstoff, können die Drogen-Antikörper-Komplexe detektiert werden.

Antigen und Antikörper reagieren aufgrund ihrer Struktur miteinander, wie ein Schlüssel zu einem Schloss passt, d.h. bestimmte Antikörper binden nur an bestimmte Antigene.

Schematische Beschreibung des Schlüssel-Schloss-Prinzips von Antigenen und Antikörpern
Immunoassay: Schlüssel-Schloss-Prinzip von zu analysierenden Stoffen (Antigenen) und auf deren Struktur zugeschnittene Antikörper.

Je nach Struktur des auf das Antigen zugeschnittenen Antikörpers ist die Reaktion allerdings nicht immer eindeutig: Ähnliche Antigene können ebenfalls mit entsprechenden Antikörpern reagieren. Dieses als „Kreuzreaktivität“ bezeichnete Verhalten verhindert einerseits die eindeutige Identifizierung eines Antigens, also z.B. einer zu detektierenden Droge. Andererseits kann gerade dieses Verhalten dazu genutzt werden, um auf eine ganze Klasse von Drogen zu screenen. Deshalb gelten Immunoassays nicht als forensisch sicher, werden aber gerne als Vortests auf ganze Substanz-Klassen verwendet.

Das Messprinzip wird in der Praxis auf verschiedene Weise praktisch angewendet (z.B. kompetitiver oder nicht-kompetitiver Assay, ELISA, verschiedenste Detektions-Techniken, etc.). Im Folgenden wird die Funktionsweise des Lateral-Flow-Tests beschrieben, die bsp. bei den handelsüblichen Drogen-Schnelltests zum Tragen kommt:

Die aufbereitete, flüssige Probe wird in Form weniger Tropfen auf die Probenzone des Test-Trägers aufgetragen. Der Test-Träger ist so beschichtet, dass die Flüssigkeit durch die Kapillarkräfte entlang der Fließrichtung über den Träger laufen wird, ähnlich wie Wassertropfen sich auf einem Filterpapier ausbreiten.

Schematische Beschreibung der Funktionsweise eines Lateral-Flow-Tests.
Funktionsweise eines Lateral-Flow-Tests, wie er z.B. bei Drogenschnelltests verwendet wird.

In der Konjugat-Zone befinden sich die mit einem Farbstoff markierten Antikörper. Erreicht die flüssige, so genannte „mobile Phase“ diese Zone, werden die Antikörper aus der Oberfläche des Teststreifens gelöst und verbinden sich mit den zu detektierenden Substanzen der Probe (Antigene).

Die Flüssigkeit mit den Antigen-Antikörper-Komplexen wandert weiter und erreicht die Testlinien-Zone. In diesem Bereich sind Antikörper in Form eines schmalen Streifens auf dem Test-Träger fixiert. Die Antigene reagieren nun auch mit diesen fixierten Antikörpern, und dadurch wird der Farbstoff der bereits mit den Antigenen verbundenen, mobilen und markierten Antikörper in der Testlinien-Zone angereichert. Nicht gebundene Antikörper bleiben in Lösung und werden weitergetragen bis zur Kontrolllinien-Zone. In der Kontrolllinien-Zone werden die bisher nicht gebundenen Antikörper abgefangen.

Durch die Anreicherung der Farbstoff-markierten Antikörper in der Testlinien- oder Kontrolllinien-Zone wird die Markierung sichtbar. Bei Schnelltest-Kits wird das Testergebnis visuell abgelesen und hat wegen der subjektiven Interpretation der Linien-Intensität ausschließlich qualitativen Charakter. Unter Laborbedingungen kann das Ergebnis maschinell abgelesen werden, und durch Eichung der Apparatur sind auch quantitative Aussagen möglich.

Weiterlesen: Beweisende, identifizierende Analyse-Verfahren

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