Heilpraktikerin Lydia Braun

Das Holzelement

Das Holzelement repräsentiert die aufsteigenden Kräfte: Alles, was nach oben und nach außen strebt, findet sich in diesem Element wieder.

Im Holzelement befinden wir uns im Frühling. Es ist die Zeit, der aufsteigenden Sonne, und somit ist die Himmelsrichtung des Elementes der Osten. Das entsprechende äußere Klima ist der Wind, der durch seine sanfte, nach oben gerichtete Brise die Physiologie darlegt, aber auch durch seine aufbrausende Wesenseigenschaft, seine turbulente Art und Weise, sein Durcheinander, dem Hin und Her, schon auf bestimmte Pathologien hinweist.

Im Hinblick auf die menschliche Entwicklung ist das Lebensalter und die Stufe der Kindheit hier zu finden. Die Kinder wachsen rasch, ganz wie die nach oben gerichtete Energie des Frühlings. Sie sind dynamisch, wollen die Welt entdecken, nach vorne streben und Wege gehen. Wenn wir an das Trotzalter der Kleinen denken, dann ist zu erahnen, welche Emotionen, welche geistigen und sozialen Kräfte hier ihr Zuhause haben.

Die kraftvolle Dynamik des Holzelementes

Holz schlägt im Frühling aus

Das Wesen des Holzelementes ist es, die Dinge in Angriff zu nehmen, die Zielorientiertheit, den Plan zu haben, wie Dinge angegangen werden können, und die ersten Schritte zu tun. Dynamik, Aktion ist hier gefragt; Neugier sei auch mit dabei. Zorn und Wut sind die Emotionen, die uns hier begleiten. Das sind wichtige Faktoren, um mit Ehrgeiz Dinge zum Ziel führen zu können.

 

An dieser Stelle möchte ich als Heilpraktikerin bereits auf einen wichtigen Leitsatz der chinesischen Medizin hinweisen:

Alle Emotionen sind wichtig, richtig und gut, solange sie durch das Herz wandern, denn dann können sie gehen.

Es ist also durchaus wichtig, richtig und gut, wenn wir zu gegebenem Anlass und den Umständen entsprechend Zorn und Wut fühlen und uns durch entsprechende Äußerungen Luft verschaffen, um mit unseren Gefühlen z.B. die Stellung in einer Gemeinschaft zu behaupten und klarzulegen, wer und was wir sind.

Blätter in der Sonne

Heilpraktikerin Lydia Braun zitiert Fei Bo Xiong: „Alle Emotionen sind wichtig, richtig und gut, solange sie durch das Herz wandern, denn dann können sie gehen.“

Nun kann jedoch sowohl ein Übermaß der Emotionen (bsp. bei jeder Gelegenheit aus der Haut zu fahren), als auch die mangelnden Fähigkeit, diese Emotionen wahrzunehmen oder zu leben auf eine Pathologie hinweisen oder sie sogar auslösen.

Wenn wir uns die Sprichwörter: „Mir läuft die Galle über“ oder „welche Laus ist Dir über die Leber gelaufen“ auf der Zunge zergehen lassen, dann wird augenscheinlich, dass die beiden Organe Leber und Gallenblase dem Holzelement zuzuordnen sind.

So wie die Schulmedizin die Leber als unabdingbares Entgiftungsorgan ansieht, so ist die Leber aus chinesischer Sicht unser General: Ein guter General sorgt für Ordnung in seinem Heer, da er weiß, wie er seine Soldaten zu führen hat. Die kraftvolle Dynamik des Holzelementes wird repräsentiert. Die Leber ist dafür verantwortlich, dass das Wei-Qi (die Energie, die aus dem Ming Meng Feuer entstammt) dorthin verteilt wird, wo es entsprechend der Tageszeit, des körpereigenen Verbrauches oder durch den Angriff eines äußeren Pathogenes benötigt wird.

Somit ist die Leber maßgeblich daran beteiligt, dass Qi und Blut im Körper ausreichend im Fluss sind, auch dass alles geordnet in seinen Bahnen verläuft.

Die Interaktion der Elemente soll an dieser Stelle schon einmal exemplarisch dargestellt werden: Wenn man gutes, schönes Holz hat, dann kann man ein wärmendes und wohltuendes Feuer entfachen. Ist das Holz aber ungesund, wirkt es sich auf das Feuer aus. So wird zu trockenes, dünnes Geäst das Feuer entflammen lassen und in übermäßiger Hitze abbrennen, während zu feuchtes Holz nur Schall und Rauch hinterlässt. Auf den Ernährungszyklus übertragen kann dies bedeuten: Die Mutter ernährt das Kind nicht adäquat und gut.

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