Heilpraktikerin Lydia Braun

Das Metallelement

Wenn man vom gesetzten Alter spricht, sagt man als Heilpraktiker für chinesische Medizin (TCM) auch oft, man sei in das metallene Alter gekommen. Denken wir an die silberne oder goldene Hochzeit, um es sinnbildlich verstehen zu können.

Der Mensch ist alt und weise geworden. Die Farbe Weiß ist erkennbar – so klar und rein sollten auch unsere Lungen und auch der Dickdarm sein. Es ist die Großmutter, die durch ihre Lebenserfahrung, metallisch klar, ihre Weisheiten an die jüngere Generation weiter gibt.

Stahlblech-Rolle: Ein Beispiel für das Metall-Element

Die Heilpraktikerin für chinesische Medizin Lydia Braun sagt: „Während wir uns in der Phase der Trauer schwach und einsam fühlen, erwächst durch das Durchleben, dem Speichern der Erinnerungen, eine neue Stärke, mit der wir in die Zukunft gehen können.“

Diese metallene Kraft, diese Klarheit lässt sich auch in der Natur, der jahreszeitlichen Entsprechung im Herbst, nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Der Herbst ist die Zeit der Limitierung: Die Welt erscheint näher, die Umrisse schärfer, klarer, da sich alles zusammenzieht. Die Blätter fallen von den Bäumen, gehen in die Erde, alles zieht sich zurück. Es ist auch die Zeit des Sterbens, die Zeit des Einatmens: Die Natur atmet ein.

Auch hier wird der Bezug zur Lunge noch einmal klar. Die Lunge, unser scharfer Richter, entscheidet, was sie rein lässt und was draußen bleibt. Sie ist der Verwalter des Qis. Der Richterspruch wird gefällt. Das ist symbolisch mit dem Sterben gleichzusetzen.

Mit dem Sterben geht die Emotion der Traurigkeit einher. Abschied nehmen ist angesagt, so wie sich die Natur vom sprühenden, nach außen gerichteten Leben verabschiedet. Die Erfahrungen des Jahres werden nach innen gebracht. Dinge, die wir nicht benötigen, der Müll, wird ausgeschieden, so wie der Dickdarm die Stoffe, die wir aus der Nahrung nicht benötigen, ausscheidet.

Von der Körperstruktur ist es die Haut, die dem Metallelement zugeordnet ist. Die Haut, unser größtes Organ, hat mit Abgrenzung zu tun. Es ist unsere äußere Hülle, durch die wir Dinge herein lassen oder abwehren, was nicht nach innen gehen sollte.

Die Natur in metallischen Farben

Die metallene Kraft, diese Klarheit lässt sich auch in der Natur, der jahreszeitlichen Entsprechung im Herbst, nicht nur sehen, sondern auch fühlen.

Wenngleich die Traurigkeit häufig abwertend behandelt wird, ist auch diese Emotion wichtig: Auch sie muss in ausreichendem und gesundem Maße gelebt werden.

Sehen wir uns die Bezeichnung Trauerjahr etwas näher an: Wenn wir Abschied nehmen müssen, dann ist es wichtig, alle Jahreszeiten, alle Begebenheiten im Laufe eines Jahres in der Trauer zu durchleben. Auch hier wird die Limitierung klar: Durch das Durchleben werden gewisse Dinge neu beleuchtet, der Blick wird scharf gestellt, so dass wir klarer sehen können. Dadurch nehmen wir wertvolle Erinnerungen in uns auf, speichern sie ab. Gleichzeitig können wir uns von Unnötigem, Unnützem und Belastendem befreien, damit wir zu gegebener Zeit in Liebe und Dankbarkeit, aber auch in Demut schwelgen können.

Während wir uns in der Phase der Trauer schwach und einsam fühlen, erwächst durch das Durchleben, dem Speichern der Erinnerungen, eine neue Stärke, mit der wir in die Zukunft gehen können.

Auch wegen kleiner Dinge dürfen Tränen geweint werden, damit wieder Klarheit geschaffen werden kann, die dann die Stärke erwachsen lässt.

Alle Emotionen sind richtig, wichtig und gut, solange sie durch das Herz hindurch gehen und dann gehen können. Wenn wir bei Traurigkeit nicht mehr weinen können, dann bleibt die Emotion stecken. Die Limitierung findet nicht statt, es gibt kein Einatmen und kein Ausscheiden und die Emotion wird zur Last. Das kann sich im Weiteren durch eine zurückgezogene Lebensweise, bis hin zu einem depressiven Verhalten zeigen. Die Menschen sind in sich gefangen, da sie dem Sterben keinen Raum mehr schenken. Nur durch das Sterben aber kann Altes gehen und Neues kommen.

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